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Rassestandard Rassestandard-Interpretation Züchterversammlung |
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Rassestandard-Interpretation |
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von Martha Heine |
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Für uns ist der vom Mutterland herausgegebene Rassestandard verbindlich. Für den Bedlington Terrier also der des britischen Kennel-Club in Cooperation mit den Special-Clubs. Der Originalstandard ist beim Bedlington, wie bei einem Großteil anderer Rassen, sehr großzügig gehalten, also auslegbar. In der Folge möchte ich versuchen hierzu Erläuterungen zu geben und so auch verständlicher zu werden. Allgemeines Erscheinungsbild Anmutiger, geschmeidiger, muskulöser Hund, ohne jegliches Anzeichen von Schwäche oder Grobheit. Kopf insgesamt birnen- oder keilförmig. Ausdruck mild und sanft, wenn der Hund ruhig ist. Charakteristika Temperamentvoll und mutig, voller Zutraulichkeit. Intelligenter Begleiter der mit einem stark ausgeprägten Jagdinstinkt ausgestattet ist. Wesen Gutmütig, von liebevoller Natur, würdevoll, nicht scheu oder nervös. In Ruhe sanft, jedoch voller Mut in der Erregung. Die Begriffe Anmut und Geschmeidigkeit werden meist als Eleganz interpretiert. Eine gute Knochen- und Muskelsubstanz, jedoch niemals grob. Das augenscheinliche Galoppiervermögen läßt einen Rassetyp erkennen, der nicht schwächlich, aber von leichter aufgebautem Typ sein sollte. Er sollte, wenn er korrekt ausbalanciert ist, schon im Stand den Eindruck einer gewissen Leichtfüssigkeit vermitteln. Zu dem Begriff Typ. Es soll der Forderung Rechnung getragen werden, den Hund in seiner Gesamtheit zu beurteilen. Nicht die Abweichung in Einzelheiten vom sogenannten Standardideal, sondern das harmonische Zusammenwirken der Einzelpunkte gibt den Ausschlag. Deshalb soll hier auch auf den Begriff Typ, der das Gesamtbild repräsentiert, besonderen Wert gelegt werden. Typ ist vererbbar. Die zwinger- oder linientypische Kongruenz ist häufig unübersehbar. Die Ahnen der Bedlingtons waren Tiere mit konträren Körperformen. Terrier und Windhunde. Bei den Windhunden kann es sich nach Ansicht fast aller Fachleute nur um Greyhounds gehandelt haben. Diese gelangten bereits im 6. Jahrhundert v. Chr. mit den Kelten auf die britischen Inseln. Die Terrier waren in all ihren Varietäten bereits bodenständige Rassen. Welcher Typ ist der Richtige? Bei genauer Betrachtung des Standards ist nicht zu übersehen, dass die Punkte, tiefe Brust, relativ flach aufgerippt, abfallende Kruppe einen hohen Stellenwert haben und wesentlich zum typischen Erscheinungsbild beitragen. Das Galoppiervermögen wird betont, die aufgezogene, stark bemuskelte Lendenpartie, durch diese die Hinterhand länger als die Vorhand erscheint. Ebenso die stark bemuskelte Hinterhand, natürlich nur möglich bei entsprechender vorzüglicher Winkelung. Dieses alles deutet darauf hin, dass ein windhundähnlicher Typ gefordert ist. Die Ähnlichkeit mit dem Whippet, der bekanntermassen u. a. aus Bedlington-Terriern gezüchtet wurde, kann nicht übersehen werden. Dieser wird durch den Terriertyp mit den für diesen typischen Merkmalen nicht repräsentiert. Zu den Merkmalen des Letzteren gehören u.a. wenig aufgezogene Lende, kurze, kaum abfallende Kruppe, hoher Rutensitz, kurze Hinterhand, oder überhaupt zu kurze Läufe, mangelnde Brusttiefe, steile Extremitäten. Der neue Standard erwähnt wieder den stark ausgeprägten Jagdinstinkt der Rasse. Nach meinen Erfahrungen ist dieser sehr unterschiedlich ausgeprägt. Ebenso der Hetztrieb, dieses für den Besitzer in der Regel eher unangenehm. Der Bedlington ist heute ein Begleithund geworden und eigentlich besteht keine Veranlassung - dieses gilt ja für die überwiegende Mehrheit der Rassen - Hetz- oder Jagdtrieb zu fördern. Jagdhunde in Jägerhand sind natürlicherweise mit Jagd- und Hetz-Trieb ausgestattet, werden aber auch überwiegend von Jägern gehalten. Das sanfte Wesen der Bedlingtons kommt der Mehrheit der Besitzer sehr entgegen und mutig sind sie trotzdem. Die Konstitution der Rasse sollte eine normale sein, das heisst, dass kein Standardpunkt so extrem ausgebildet ist, dass Organe, Skelett oder Muskulatur beeinträchtigt werden. Schmalen Fronten und superflachen Rippen und wenig Brusttiefe kann also nicht Rechnung getragen werden ohne die für die Vitalität ausschlaggebende physiologische Gesamtverfassung zu beeinträchtigen. Der korrekte Bedlington sollte Adel zeigen, harmonisch sein und man sollte leicht Rüde und Hündin erkennen können. Kopf und Schädel. Schmaler, jedoch tiefer, gerundeter Schädel, der mit einem üppigen, seidigen Haarschopf bedeckt ist; dieser sollte fast weiss sein. Kiefer lang und nach vorn allmählich schmaler werdend. Es darf kein Stopp vorhanden sein; die Linie von Hinterhauptbein zur Nasenspitze ist gerade und nicht unterbrochen. Unter den Augen gut ausgefüllt. Dicht anliegende und niemals lose herabhängende Lefzen; Nasenlöcher gross und klar umrissen. Gebiss: Zähne gross und stark, Scherengebiss, wobei die obere Schneidezahnreihe ohne Zwischenraum über die untere greift und die Zähne senkrecht im Kiefer stehen. Die Form des Schädels soll also schmal im Oberkopf, birnen- bzw. keilförmig sein. Eine Rundung des Oberkopfes wird verlangt und eine sehr gute Tiefe. Ein schmaler Oberkopf kann nur vorhanden sein, wenn das Jochbein langgestreckt, also seitlich wenig ausgeprägt ist. Im Optimalfall wird dann die Kaumuskulatur analog zur Knochenbildung, flach angelegt sein. Ist das Jochbein stark ausgeprägt, ist der Kopf nicht nur breiter, er erscheint ausserdem kurz. Der lange, schmale Kopf soll gesamtproportional zum Körper passen. Das Vorgesicht soll unter den Augen gut ausgefüllt sein. Abgeflachte oder ausgehöhlte Augenpartien lassen die Augen übermässig gross erscheinen und den Oberkopf breiter als er ist. Der Kopf insgesamt kann keine Harmonie vermitteln. Züchterisch erreichbar und optisch günstig ist ein relativ längeres und gut ausgefülltes Vorgesicht bei schmalem Oberkopf, d.h. bei flachen Jochbögen. Denn der länger erscheinende Kopf ist oft nicht länger, sondern nur schmaler und günstiger proportioniert. Ein zu schmales Vorgesicht vermittelt nur den Eindruck einer enormen Länge. Bei diesen Exemplaren ist die Forderung an einen angemessen breiten Kieferbogen nicht mehr erfüllbar. Die räumlichen Verhältnisse sind hier so ungünstig, dass Gebissfehler wie Rückbisse, eng stehende untere Canini usw. die unausweichliche Folge sind. Man muss dabei bedenken, dass sich genetische Impulse nicht immer in gleichem Masse auf Ober- und Unterkiefer auswirken. Mit geschicktem Trimming kann man Köpfe idealer erscheinen lassen. Allerdings übermässig viel Haar am Hinterkopf verlängert denselben zwar etwas, geht aber dann zu Lasten der Halslänge. Der Oberkopf des Bedlington ist gerundet. Die Nase gross und gut abgesetzt. Übermässige Lefzenbildung beeinträchtigt die Eleganz des Kopfes. Augen: Klein, leuchtend, tief gebettet. Das ideale Auge erscheint dreieckig. Blaue Bedlington haben dunkle Augen, blue and tan-farbene hellere mit Bernsteinschimmer, leber und sandfarbene, hellnussfarbene Augen. Diese Standardaussage ist recht präzise. Die Augenform und Farbe beeinträchtigen stark den Ausdruck. Das dreieckig erscheinende Auge passend zur Haarfarbe ist ideal. Das runde Auge, auch wenn es sehr klein ist , ist atypisch. "Schwarze Knöpfe sind out . Die Standardaussage, dass blue and tan farbene Bedlingtons Augen mit Bernsteinschimmer haben sollten, trifft nicht immer zu. Häufig haben blue and tans sehr dunkle Augen , die allerdings mit zunehmendem Alter etwas aufhellen können. Evtl. kommt der Bernsteinschimmer bei Vorhandensein der heterozygoten Anlage für liver häufiger vor als bei fast rein blauen Vererbern. Es sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass vom genetischen Standpunkt dunkle Augen dominant sind. Unvorteilhaft wirkt sich ein prominentes Auge aus, ebenso unerwünscht ist eine dunkle Umrandung des Auges (gemeint ist nicht das Augenlid, es sollte dunkel pigmentiert sein). Tränende Augen, besonders wenn ursächlich Entropium oder andere Fehlbildungen zu Grunde liegen, sollten streng beachtet werden. Diese Anlagen werden vererbt. Ohren: Mässig gross, haselnussförmig, tief angesetzt und flach an den Wangen anliegend, dünn und samtartig in der Textur, mit feinen kurzen Haaren bedeckt; dabei befindet sich an der Spitze des Ohres eine Franse von weisslichem, seidigem Haar. Die Ohren tragen, wie die Augen, wesentlich zum Gesamtausdruck bei. Tief angesetzt, der vordere Ohransatz befindet sich in Höhe des äußeren Augenwinkels, der hintere etwas tiefer. Alte Standardübersetzungen sprechen von haselnussförmigen Ohren. Die Übersetzung von Frau Steen und Herrn Sörensen macht klar, dass mit" filbert" die englische Haselnuss, nämlich die Lambertnuss gemeint ist. Die schmalere und gestrecktere Lambertnuss kommt der gewünschten Bedlingtonohrform in der Tat wesentlich näher. Die Standardangabe "Ohren von mittlerer Größe" ist vage, also auslegbar. Die Ohrgrösse sollte proportional in einem harmonischen Verhältniss zur Kopf - und Körpergrösse stehen. Das Ohr hat die Form eines ungleichschenkligen Dreiecks. Der Ohransatz ist gebogen und die Spitze abgerundet. Die Ohrvorderkante ist um einiges kürzer als die Hinterkante. Die normalen Ohrlängenverhältnisse sind so gestaltet, daß die Ohrspitze (ohne Franse) etwa bis zum Mundwinkel reicht. Das Ohr sollte nicht zu dick sein, geschmeidig herabfallen, ohne Längsfaltenbildung. Eine stark umgelegte Vorderkante, in der Regel nur im oberen Teil, ist ebenfalls unerwünscht. Die Tasche an der Hinterkante des Ohres sollte vorhanden sein. Bei extrem schmalen Ohren, gelegentlich auch zu kurzen, fehlen in einigen Fällen die Taschen. Es sollte eine Selbstverständlichkeit sein, solche Hunde nicht in die Zucht zu nehmen. Die Standardforderung, dass das Ohr mit kurzem ,feinem Haar bedeckt sein soll, ist eine Frage des Trimmings. Die Haare an den Ohren wachsen wie alle übrigen Körperhaare. Auch die Ohrfranse, eine optische Verlängerung des Ohres wird durch Trimming erreicht. Gelegentlich sieht man Ausstellungsexemplare mit auftoupierten Quasten an den Ohrenden, dieses mag zwar nett aussehen, besonders für den nicht rassekundigen Betrachter, ist aber nicht standardgerecht. Gebiss: Zähne groß und stark, Scherengebiss, wobei die obere Schneidezahnreihe über die untere greift und die Zähne senkrecht im Kiefer stehen. Zu diesem Punkt, der schon abgehandelt wurde, ist zu bemerken, dass das Zangengebiss ausdrücklich nicht mehr erwähnt wird. Hals: Lang, sich nach oben verjüngend, am Ansatz kräftig, ohne jegliche Anzeichen von Wamme, harmonischer Übergang von den Schultern her, der Kopf wird ziemlich hoch getragen. Ein ganz wesentlicher Faktor für das elegante Erscheinungsbild eines typischen Bedlingtons ist das Format und die Länge des Halses. Es versteht sich von selbst, dass zu einem Hund dieses Typs nur ein Hals passen kann, der eine vorzügliche Länge hat, schlank, aber dennoch muskulös ist. Dass bei einem solchen Typ keine Wammenbildung toleriert werden kann, versteht sich von selbst. Der Forderung, dass sich der Hals gut aus den Schultern herausheben soll kann nur Rechnung getragen werden, wenn ein entsprechend korrekter Skelettaufbau der Vorderhand die Voraussetzung bildet. Wesentliche Grundlagen sind eine schräg gelagerte Schulter und ein gut zurück gelagerter, ebenfalls schräger Oberarm. Eine steile Schulter mit einem ebenso steilen Oberarm kann niemals die räumliche Voraussetzung für den gewünschten Halsaufsatz und einen harmonischen Übergang zum Körper bilden. Vorhand: Vorderläufe gerade, an der Brust weiter auseinander stehend als an den Pfoten. Vordermittelfuß lang und etwas schräg, jedoch ohne Schwäche, Schultern flach und schräg gelagert. Die korrekte Stellung der Vorderhand ergibt von vorne betrachtet ein V, die Spitze des V befindet sich unten. Allerdings ist die wirkliche V-Front nicht sehr häufig zu sehen und wenn die Vorhand nicht ganz gefestigt ist kann es, besonders bei jungen Hunden, zu kreuzenden Bewegungsabläufen der Vorhand kommen. Einen wirklich funktionalen Vorteil der gewünschten Vorhand ist nicht nachvollziehbar. Deshalb ist eine diesbezüglich grosszügige Auslegung wünschenswert. Der Mittelfussknochen sollte weder nach innen ,"zeheneng", noch nach aussen, französischer Stand", gerichtet sein. Der Vordermittelfuss ist lang, von der Seite gesehen schräg gestellt (mehr als 10 °) sein, niemals aber durchgetreten oder schwächlich. Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass die Vorderläufe gut unter dem Widerrist stehen. Hier kommt die bereits angesprochene schräge Schulter, das Schulterblatt sollte lang und flach sein, und ein ebenso langer gut zurückliegender Oberarm zum tragen. Der Winkel zwischen Schulter und Oberarm beträgt im Optimalfall 90°. Vorausgesetzt es liegen diese günstigen Verhältnisse vor ist genügend Raum für die Ansatzmöglichkeit einer kräftigen aber flachen Hals- und Brustmuskulatur gegeben. Dass die rassetypische V- Front nicht gleichzeitig schmal sein kann, versteht sich von selbst. Lose Ellenbogen und Schultern, breite Fronten sind fehlerhaft, ebenso fehlerhaft die zu schmale Front, eine geschnürte Ellenbogenpartie, mangelnde Brusttiefe und zu enge Schultern mit zwangsläufig breiter Pfotenstellung. Die letztgenannten Frontfehler haben zugenommen, gekoppelt an Substanzverlust. Die Bedlington-Terrier-Front ist im Stand und in der Bewegung völlig konträr zu den übrigen Terrierrassen. In der Bewegung fussen die Vorderläufe eng. Als nicht korrekt zu bezeichnen, wie oben bereits beschrieben, eine kreuzende Bewegung der Vorderläufe, in der Regel gekoppelt an lose Ellenbogen bei erwachsenen Hunden. Körper: Muskulös und auffallend biegsam, tiefe und angemessen breite Brust. Flachrippig und tief, wobei der Brustmuskel bis zu den Ellenbogen reicht. Der Rücken hat einen natürlichen Bogen über der Lende und bewirkt durch eine deutlich aufgezogene, untere Linie. Der Körper ist etwas länger als hoch. Beginnen wir mit dem Brustkorb. Um genügend Raum für die inneren Organe zu bieten, soll der relativ flach aufgerippte Brustkorb tief sein. Eine entsprechende Länge, d.h. weit nach hinten reichende Rippen, ist ebenfalls erforderlich. Die vom Standard geforderte angemessene Breite bedeutet, dass die Rippen seitlich gut gewölbt aus der Wirbelsäule hervortreten, dort die angemessene Breite aufweisen und seitlich flach zum Brustbein verlaufen. Tonnige, runde Brustkörbe haben nie die geforderte Tiefe. Die zwar tiefe, aber zu flachrippige Brust hat immer eine fehlerhafte Front mit paralleler Beinstellung zur Folge. In beiden Fällen sind die räumlichen Verhältnisse für die inneren Organe ungünstig. Bei der Beurteilung der Brusttiefe geht man davon aus, daß die Brust bis zu den Ellenbogen reichen sollte. Dieses ist ein relativ einfaches Bewertungskriterium, kann aber zu Fehlinterpretationen führen. Um zu einer korrekten Beurteilung der Brusttiefe zu gelangen, ist es unerlässlich den Brustkorb gesamtproportional und besonders im Verhältnis zu Körperlänge zu betrachten. Weiterhin ist von Wichtigkeit die Längenverhältnisse der Vorderhand und hier vordergründig die von Schulter und Oberarm, zu überprüfen. Z. B. kann ein zu kurzer Oberarm die richtige Brusttiefe vortäuschen. Das Gegenteil kann natürlich bei einem zu langen Oberarm der Fall sein. Dass die recht starke Bemuskelung der Brust flach angelegt sein sollte um die Eleganz zu erhalten, bedarf wohl bei diesem Rassetyp keiner eingehenderen Erläuterung. Die rassetypische Rückenlinie sollte sowohl im Stand als auch in der Bewegung vorhanden sein. Sie kommt durch die aufgezogene Lendenpartie zustande und bildet einen "natürlichen Bogen". Die Rückenlinie steigt hinter der Schulter beginnend, geringfügig bis zur Lendenpartie an um dann in eine relativ lange, abfallende Kruppe überzugehen. Fehlerhaft sind runde Radrücken, wie sie vor ca. 20 Jahren propagiert wurden, in der Mehrzahl der Fälle gekoppelt an kurze Rücken und steile Winkelungen. Die damals geübte Praxis war z. T. Folge einer fehlgeleiteten Standardinterpretation. In der Standardbeschreibung von Frau Steen, Frau Witthüser und Herrn Sörensen wird eingehend darauf hingewiesen, dass das englische Wort "roached" fälschlicherweise mit Karpfenrücken oder Radrücken übersetzt wurde. In dem neuen Standard kommt diese Formulierung nicht mehr vor. Etwas verflachende Rücken, besonders bei jungen Hunden, sind nicht zu stark zu bewerten, wenn die übrige Anatomie, Typ usw. hervorragend sind. Überbaute Bedlingtons sind auf keinen Fall standardgerecht. Sie haben kurze und flache Kruppen mit steiler Hinterhand. Eine steil abfallende Kruppe mit unterstellter Hinterhand ist ebenso fehlerhaft. In solchen Fällen wird nie die gewünschte Harmonie vermittelt, geschweige denn der nötige Schub aus der Hinterhand möglich sein. Hier soll ausdrücklich darauf hingewiesen werden, dass der proportional korrekte Bedlington etwas länger als hoch sein sollte. Hinterhand: Muskulös und von gemäßigter Länge, aufgezogene Lendenpartie mit dem höchsten Punkt direkt über der Lende. Die Hinterläufe erscheinen länger als die Vorderläufe. Sprunggelenke stark und tief stehend, weder einwärts noch nach aussen drehend. Die Standardaussage hinsichtlich der Hinterhand ist nicht besonders ergiebig. Es wird darauf hingewiesen, daß die Hinterläufe durch die aufgezogene Lendenpartie länger als die Vorderläufe erscheinen. Frau Stockmann schreibt zu den Längenverhältnissen von Vor- und Hinterhand, daß die Hinterhand bei allen Rassen um 6 bis 10% länger sei als die Vorderhand, dieses ergibt sich zwangsläufig durch die Winkelungen. Das schräg gelagerte Becken und ein langer Oberschenkelknochen sind die Grundlage für eine vorzügliche Kniewinkelung. Eine entsprechende Länge des Unterschenkelknochens und ein kurzer Hintermittelfuss sind die Voraussetzung für ein korrekt gewinkeltes, tiefes Sprunggelenk. Ein Bedlington mit einer korrekten Hinterhand steht mit den Sprunggelenken deutlich hinter dem Körper. Nur bei den oben vorgegebenen Verhältnissen ist die Möglichkeit für die Entwicklung der nötigen Muskulatur gegeben. Bei steilen Kniewinkelungen mit entsprechend kurzem Oberschenkelknochen wird sich niemals die gewünschte Muskulatur bilden können. Dieses wird besonders deutlich wenn die Hunde älter werden. Ein zu kurzer Unterschenkelknochen hat steile Sprunggelenke zur Folge. Im Verhältnis zu lange Unterschenkelknochen führen in der Regel zu einer Fassbeinigkeit (Stockmann). Von hinten betrachtet sollten die Hinterläufe gerade sein. Starke Hackenenge, sowie Kuhhessigkeit sind fehlerhaft, ebenso Zehenenge bei nach außen gedrehten Sprunggelenken. Ein geringfügiges Engerwerden der Sprunggelenke bei schnellerem Gangwerk ergibt sich zwangsläufig, hier wäre eher eine superbreites Gangwerk unkorrekt, es könnte auf eine Diskrepanz der Vor- und Hinterhandwinkelung hindeuten. Bei Bedlington-Terriern sieht man häufiger, im Stand hinten leicht nach außen gestellte Pfoten. Keine erfreuliche Entwicklung. Pfoten: Lange Hasenpfoten mit dicken, gut geschlossenen Ballen. Auf den schräg gestellten Vordermittelfuss, der die Hasenpfotenstellung ermöglicht, wurde bereits im Rahmen de Frontthematik eingegangen. Der Hintermittelfuss hat naturgemäss eine entsprechende Länge um die gewünschte rassetypische Pfotenform zu ermöglichen. Steil gestellte runde Katzenpfoten sind untypisch, diese haben in der Regel ein untypisches Gangwerk zur Folge. Ebenso untypisch sind gespreizte Pfoten mit schwachen Ballen und ebensolchen Gelenken. Überlange Nägel fördern diese Mängel. Bewegung auf hartem Boden kann hier etwas Abhilfe schaffen. Starke Ballenrisse mit Wucherungen (Corny feet) waren lange Zeit ein weit verbreiteter, erblicher Fehler in der Rasse, der dank glücklicher Selektion weitgehend verschwunden ist. Einzelne Ballenrisse kommen bei Hunden aller Rassen und auch bei Misch-lingen vor und sind weder erblich noch als Negativum zu sehen und haben mit der oben beschriebenen Erbkrankheit nichts zu tun. Rute: Mäßig lang, dick am Ansatz, spitz zulaufend und anmutig getragen. Tief angesetzt, niemals oberhalb der Rückenlinie getragen. Die Grundlage für einen korrekten Rutensitz bildet die relativ lange abfallende Kruppe. Dieser Punkt wurde eingehend besprochen. Bei temperamentvollen Hunden mit korrektem Rutensitz sollte eine etwas höher getragene Rute toleriert werden. Die Rutenhaltung unserer Ausstellungshunde ist in vielen Fällen eine reine Trainingsangelegenheit. Man findet häufiger Exemplare, die bei relativ hohem Rutensitz dennoch die Rute tief tragen. Es gibt aber keinen Zweifel, daß eigentlich zu einem harmonischen Gesamtbild eine geschleppt getragene Rute gehört. Gangart/Bewegung: Fähig mit hoher Geschwindigkeit zu gallopieren, dies ist schon am Erscheinungsbild erkennbar. Bewegung sehr charakteristisch, etwas geziert, leicht und federnd bei langsamerem Tempo und leicht wiegend bei hoher Geschwindigkeit. Auf die Bewegung wird im neuen Standard noch einmal eingegangen. Das "Windhundgebäude" läßt das enorme Galloppiervermögen erkennen. Seitlich gesehen in normaler Bewegung sollte ein Bedlington raumgreifend gehen können, d.h. mit der Vorhand weit ausgreifend und einem entsprechenden Schub aus der Hinterhand. Besonders untypisch ist ein steppendes Gangwerk vorne oder gar Hackney-Bewegung mit übertriebenem Hochreißen der Vorhand ohne Raumgewinn. Diese Fehler sind in der Regel an steile Schultern und letzterer an steile, kurze Oberarme gekoppelt. Die Standardformulierung "etwas geziert" sollte niemals so interpretiert werden, als könnten steppende Bewegung vorne oder Hackney - Gangwerk gewünscht sein. Diese typische Bewegung kommt durch diesen rassespezifischen Körperbau und nicht zuletzt durch die langen Hasenpfoten und den langen und schrägen Vordermittelfuss zustande. Von hinten betrachtet, auf diesen Punkt wurde auch schon eingegangen, sollte die Bewegung gerade sein ohne Neigung zur Zehenenge oder Kuhhessigkeit. Bei höheren Geschwindigkeiten ist eine geringfügige Hackenenge als normal zu betrachten. Haarkleid: sehr kennzeichnend ( charakteristisch). Dick und flachsartig, gut von der Haut abstehend, jedoch nicht drahtig. Deutliche Anlage zu kleiner, korkenzieherformiger Locke, insbesondere am Kopf und am Vorgesicht. Es fällt hier auf, daß die Grannen keine ausdrückliche Erwähnung finden. Der z. Zt. gültige amerikanische Standard verlangt eine Mischung aus hartem und weichem Haar. Das Bein- und Kopfhaar sollte frei von Grannen sein. Hartes Haar ist untypisch und geht immer mit wenig Beinhaar einher, allerdings haben diese Hunde in der Regel eine stärkere Pigmentierung. Ein sehr dichtes Haar ist wünschenswert und züchterisch auch erreichbar. Seidiges oder anliegendes Haar ist in jedem Fall fehlerhaft. Farbe.: blau, leber oder sandfarben mit oder ohne loh. Dunklere Farbtöne sind vorzuziehen. Blaue und Blau- Lohfarbene müssen schwarze , Leber und Sandfarbene braune Nasen haben. Dankenswerterweise hat man sich in dem neuen Standard auch wieder auf die Farben liver und sandy mit tan besonnen. Die Farben verwachsen sich zwar mit zunehmendem Alter mehr oder weniger. Aber an die Farben mit Tan- Markierungen ist ein dunkleres Pigment geknüpft. Im Vergleich zu den Dandies ist ein Farbverlust festzustellen. Die blaue Farbe wird bei Bedlingtons dominant vererbt, alle anderen Farben unterliegen den rezessiven Erbgesetzen. Ist bei reinen Blau- Verpaarungen der Anteil der rein blau gezüchteten Vorfahren hoch, kommt es zu einer weiteren Verdünnung des Blaufaktors. Das bedeutet, die Nachkommen aus solchen Verpaarungen werden von Generation zu Generation heller. Allerdings ist diese Farbdiskussion nicht ein großer Faktor innerhalb der Rasse. Ist die Intensität der Farben besonders bei Hündinnen doch stark mit dem Hormonzyklus verbunden. Auch Rüden unterliegen mehr oder weniger Farbschwankungen. Liver, sandy oder zweifarbene Hunde werden in der Zucht wieder häufiger eingesetzt. Es ist selbstverständlich, dass sandy-farbene Hunde stets recht hell sind. In jedem Fall lohnt sich ein Blick über den Zaun, denn andere Züchter haben auch gute Hunde. Das gilt besonders für unerfahrene Züchter. Bevor man Züchterkollegen und Besitzer von Bedlington-Terriern mit unqualifizierten, noch dazu unpräziesen Äußerungen überzieht, sollte man das Gespräch suchen und zumindest versuchen etwas über die Rasse zu lernen. Wir alle, die wir diese Rasse lieben, sollten an einem Strang ziehen. Größe/Gewicht: Schulterhöhe: ca. 40,6 cm. Bei Hündinnen leichte Abweichung nach unten, bei Rüden nach oben erlaubt. Gewicht zwischen 8 und 10,5 kg. Die Größenverhältnisse innerhalb einer Rasse waren schon immer grossen Schwankungen unterworfen. Es ist ein ständiges auf und ab, auch im Mutterland der Rasse. Man hat besonders dort eine Menge Typ und Substanz eingebüsst, denn nicht cm (alles in Grenzen) sind massgebend, sondern Typ und Harmonie. Für Rüden sind ca. 41 cm sicher nicht realistisch. In dieser Größenordnung wird man selten einen typvollen, knochenstarken Rüden finden. Die Standardvorgaben sollte man beachten, aber nie extrem auslegen. Ausgewogenheit sollte eine Rolle spielen und nie ein Feilschen um cm. Typ ist gefragt.
Martha Heine 1984/ 2006
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